Sonntag, 30. März 2014

Bericht: Leipziger Buchmesse 2014 Teil 2



Nach der Stärkung ging der Messetag weiter. Eine Premierenlesung stand auf dem Programm. Arno Strobel stellte zur ersten Mal seinen ersten Jugendthriller „Abtrünnig“ vor. Nachdem ich am Vorabend erleben durfte, wie gut seine Lesungen sind, freute ich mich schon sehr auf Arno. Ich war mir auch sehr sicher, dass das Buch in meiner Tasche landen wird.

Als ich am Lesetreff ankam, waren schon einige Zuhörer versammelt. So musste ich mir ein nettes Stehplätzchen suchen. Und schon fing Arno mit seiner sympathischen Art an. Man hörte deutlich den Unterschied zum Vorabend. Der Autor stellte sich sehr gut auf das Zielpublikum um. Denn jetzt wurden vor allem die jüngeren Leser angesprochen.
Arno wirkte irgendwie cooler und (noch) lockerer als bei „Das Rachespiel“. Am Vorabend hatte er doch eine souveränere und erwachsenere Ausstrahlung. Schon nach wenigen Zeilen merkte man deutlich, wie das Publikum in seinen Bann gezogen wurde. Die Gespräche verstummten und alle lauschten gebannt der Erzählung. Es war wahnsinnig spannend zu sehen, wie das Publikum sich auf die Story einließ und immer mehr Zuhörer das Buch direkt kauften. Mich hat die Geschichte leider nicht so gepackt, war vielleicht doch zu „jugendlich“ (ich lese ja eher weniger Jugendliteratur). Sein Zielpublikum hat der Autor hundertprozentig erreicht, mich leider genau deshalb nicht. Das Buch durfte nicht mit. Aber ist ja nicht so tragisch, die Psychothriller bleiben den Fans ja erhalten. Schließlich ist Arno jetzt Vollzeit-Autor.
Wie so oft, kam ich während der Lesung mit meiner Nachbarin ins Gespräch. Die sehr nette und sympathische Frau stellte sich als die Autorin Anna Schneider heraus. Leider kenne ich bisher keines ihrer Bücher, aber das hole ich bald nach. An dieser Stelle schicke ich auch einen netten Gruß an die Autorin von „Bald wirdes Nacht, Prinzessin“.

Fast übergangslos schloss sich die nächste Lesung und mein persönliches Highlight an. Dan Wells hat sein neuestes Werk „Fragmente“ vorgestellt. Seit dem Debut „Ich bin kein Serienkiller“ bin ich ein Riesenfan. Die Ideen und der Schreibstil des Autors find ich wahnsinnig spannend und faszinierend. Und wie ihr schon bei mir lesen konntet, fieberte ich der Neuerscheinung lange entgegen.
Dan Wells wirkte von der ersten Sekunden an sehr freundlich und offen. Er sprach das Publikum immer direkt an, auch wenn am Anfang ein Moderator übersetzte. Schnell stellte sich aber heraus, dass kein Dolmetscher benötigt wird. Auch wenn ich keine Englischexpertin bin, konnte ich den Autor sehr leicht verstehen und gut über seine Witze lachen. Denn auch live hat Dan diese eigene Art von Humor, die man aus seinen Büchern kennt. Er schaffte es das Publikum nicht nur für das Buch zu begeistern, sondern auch für sich. In dem Interview erzählte er, wie seine Werke zustande kommen bzw. wie sein Alltag als Autor aussieht. Es war auch sehr interessant zu erfahren, dass er immer einen genauen Plan von der Handlung seiner Bücher hat. Noch bevor das erste Kapitel geschrieben ist, weiß er, wie die gesamte Saga endet. Und genau das, schätze ich auch an seinen Werken – alles ergibt einen Sinn und es gibt keine erkennbaren Sprünge, die den Lesefluss oder das Verständnis für das Erzählte stören.
In „Aufbruch“ gab es immer wieder Passagen, die nicht so ganz nach meinem Lesegeschmack waren. Sie waren zwar nicht schlecht, sprachen mich jedoch nicht an. Und genau diese Punkte sollen im zweiten Band der Partials-Reihe anders sein. Diese Aussage des Autors machte mich noch neugieriger auf das Buch. Deshalb wird es auch das nächste sein, das ich anfange zu lesen.
Natürlich gab es im Anschluss noch eine Signierrunde. Mein Fragmente-Exemplar bekam also auch eine nette Widmung. Ich nutzte die Chance und bedankte mich bei Dan Wells für seine genialen Bücher. Denn genau das fällt mich als erstes ein: Danke für die fantastische Lesezeit!

Voller Begeisterung setzte ich meine Tour durch die Hallen fort. Hier und dort wurden noch einige Schätze für die Wunschliste entdeckt. Einige Bücher werden jedoch wieder von dieser verband – nach einigen Zeilen lesen bzw. sogar bei einer von mir abgebrochenen Lesung stellte sich heraus, dass ich die Geschichten doch nicht lesenswert finde. Meine Laune konnte jedoch nichts mehr schmählern. Und nachdem ich noch einige Mitbringsel für meinen Sohn gekauft habe, ging es um ziemlich pünktlich 18 Uhr Richtung Ausgang.

Im Hotel gönnte ich den müden Füßen eine kleine Pause, bevor es zu meinem persönlichen Abschlussevent ging. Im bekannten Leipziger Ring Café fand die Österreichische-Krimi-Nacht statt. Für mich war es aber eigentlich eine Bernhard Aichner Lesung mit Beigabe.
Nachdem überall soviel positive Kritik über das Buch „Totenfrau“ zu hören und lesen war, wollte ich auch wissen was dran ist. Am Messestand stöberte ich schon ein wenig durch die Seiten und war sicher, dass das Buch mit mir nach Hause kommt.
Das Ring Café entpuppte sich als ein sehr schönes großes Altbau-Restaurant. Man konnte schön speisen, leckeren Wein genießen und dabei den Autoren auf der Wohnzimmer-Bühne lauschen. Trotz der Größe hatte die Lesung wirklich eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre, auf der Lesebühne lag ein Teppich und gemütliche Sessel warteten auf die Autoren. Der Moderator leistete ebenfalls gute Arbeit und schaffte es mühelos auf jeden Autor gut einzugehen und die Verbindung zum Publikum immer aufrecht zu erhalten.
Als erstes betrat die deutsche Autorin Tatjana Kruse die Bühne. Weil ihr Krimi „Grabt Opa aus“ in Österreich spielt, durfte sie an dem Abend trotzdem mitmachen. Die Bezeichnung Alpenkrimi schreckte mich erst ab, weil ich wie gesagt nicht gerne Regionalkrimis lese. Aber schon mit den ersten Sätzen des Interviews hat mich Tatjana auf ihre Seite gezogen. Ihr unglaublich authentischer und teils schwarzer Humor machte es einfach unmöglich, nicht zu lachen. Als sie dann ihr Buch las, habe ich sowohl die tollpatschige Hauptfigur Alfie, als auch die Autorin ins Herz geschlossen. Die Witze und die leichte Sprache wirkten zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt und übertrieben. Es passt wirklich wie die Faust auf Auge zur Autorin. Und eine so absurde und witzige, und absurd witzige Geschichte muss ich einfach lesen! Zwar habe ich mir ein Exemplar für meine liebe Schwiegermutter signieren lassen und es ihr auch geschenkt, aber ich werde es mir sicherlich bald ausleihen und eine nette flotte Lesezeit haben.
Der nächste Krimi war dagegen ein richtiger Regionalkrimi, wie ich sie sonst kenne. Edith Kneifl stellte ihr Buch „Satansbraut“ vor. Die Autorin wirkte im Vergleich zu ihrer Vorgängerin sachlicher, das Buch zwar gut geschrieben, aber für mich einfach nicht ansprechend. Keine schlechte Lesung, kein schlechtes Buch, nur fehlte mir das gewisse packende Etwas.
Die dritte Frau betrat die Bühne. Eva Rossmann hatte „Männerfallen“ im Gepäck. Die Lesung war für mich ein Reinfall. Zu sehr spielte die Autorin den Geschlechterkampf aus. Die Zeilen waren gefüllt mit übertriebenem Feminismus, Machogehabe und einem Haufen Vorurteile. Dazu gab es kaum Namen, nur „er“, „sie“, „ihm“, „ihr“ – da konnte ich recht schnell nicht mehr folgen, wer von wem eigentlich gerade berichtet. Die Thematik und die Autorin muss man wohl mögen, um das Buch zu lesen. Ich werde es definitiv nicht tun.
Und endlich war „Totenfrau“ an der Reihe. Als erster Mann des Abends las Bernhard Aichner aus seinem Buch. Der Autor ist unglaublich sympathisch und hat eine sehr positive und freundliche Ausstrahlung. Man traut ihm fast gar nicht zu grausige Thriller verfassen zu können. Mit seiner ruhigen und angenehmen Stimme (der österreichische Akzent wirkt bei ihr schon fast goldig) las er aus dem hochgelobten Buch. Seine Auswahl fiel auf eine sehr fesselnde und traurige Szene. Vor Spannung, Mitgefühl und überschlagenden Emotionen hielt ich beim Zuhören wortwörtlich die Luft an. Ich wurde völlig in die Geschichten hineingesogen und die reale Welt löste sich auf. Und ich war mit Sicherheit nicht die Einzige. Im gesamten Saal war nur noch Bernhards Stimme zu hören. Das schaffen nur sehr wenige Autoren und nur wenn sie ein unglaubliches Talent besitzen. Jetzt kann ich absolut nachvollziehen, warum das Buch schon jetzt so erfolgreich ist und die Kritiker sich mit Lob überschlagen. Ich freu mich schon wahnsinnig auf die gesamte Geschichte von der Totenfrau Blum. Und Herr Aichner hat definitiv einige Fans mehr nach diesem Abend.
Und schon war das letzte Buch des Abends dran. „In der Hölle ist für alle Platz“ von Manfred Rebhandl war allerdings nicht der krönende, sondern der verwirrende Abschluss. Das Thema Kirche gehört in Büchern sowieso nicht zu meinen Favoriten, aber hier kam noch der völlig verwirrende Schreibstil hinzu. Der Humor und die Handlungen wirkten plump und witzlos. Durch den starken Dialekt und die monotone Sprechweise fiel es noch schwerer zuzuhören. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab und ich überlegte mehr, ob ich noch einen Wein trinke und folgte gar nicht mehr der Geschichte. Aber auch bei diesem Buch war ich nicht allein mit meiner Wahrnehmung. Im Publikum gab es nur wenig positive Reaktion und wenn, kam diese von dem männlichen Part. Die Frauen schauten sich genau wie ich irritiert um. Vielleicht ist es ein Männerbuch, für mich war es absolut nicht ansprechend.

Nach den vielen Lesungen, Eindrücken und Gesprächen des Tagen fiel ich völlig erschöpft ins Bett. Am nächsten Tag stand schon die Rückreise an. Diese klappte völlig problemlos und ging vor allem dank „Das Rachespiel“ sehr schnell. Zu Hause konnte ich dann in Ruhe meine reiche Ausbeute begutachten und meinem Mann von den fantastischen Erlebnissen vorschwärmen.

Insgesamt war die Messe eine absolut prägende und unterhaltsame Erfahrung. Und ich freu mich jetzt schon auf Leipziger Buchmesse 2015, dann aber mit einem Tag länger und hoffentlich noch mehr schönen Büchern, Lesungen und Begegnungen.