Dienstag, 15. Juli 2014

Rezension: A.S.A. Harrison - Die stille Frau


ISBN-13: 978-3827012074
Verlag: Bloomsbury Berlin
Seiten: 384 beim Taschenbuch
Erstveröffentlichung: 12.05.2014

Ein scheinbar perfektes Ehepaar – erfolgreich im Beruf, ein trautes Heim und kein Streit. Doch der Schein trügt. Denn die brave stille Frau wird zur Mörderin, dazu getrieben von einem verlogenen Mann.

Von den ersten Zeilen hat mich das Buch fasziniert. Die Sprache und das Geheimnisvolle haben mich völlig in den Bann gezogen und so meine Erwartungen ziemlich hoch angesetzt. Nach dem Lesen bin ich völlig überwältigt von der Sprache und zwiegespalten wegen der Geschichte.


Die Grundidee des Buches ist recht simpel. Eine Frau wird von ihrem Mann betrogen und sieht erst darüber hinweg. Doch wie sich die Geschichte entwickelt und wie die Protagonisten damit umgehen ist neu und anders als erwartet. Die letzte Affäre stellt das gesamte Leben von Jodi und Todd auf den Kopf und zeigt, dass nichts so ist, wie es scheint oder wie man es versucht darzustellen. Ein unerwartetes Ereignis zwingt die Personen zum Handeln. Es entsteht eine Art Sog, aus dem die Protagonisten nicht mehr entfliehen können, bis Jodi ein anderes grundveränderndes Ereignis auslöst.
Das Handeln und die Gedanken der Hauptcharaktere waren mir meist sehr unsympathisch, wenn nicht gar zu wider. Vor allem Todd löste bei mir immer wieder kleine Wutanfälle aus. Ich fragte mich permanent, wie ein erwachsener Mann sich nur so verhalten kann. Jodi tat mir teils einfach nur Leid, manchmal wollte ich sie schütteln und so dazu zwingen, sich wie eine selbstständige Frau zu verhalten. Die Nebendarsteller waren noch schlimmer, absolut abstoßende Persönlichkeiten. Die Geschichte an sich ist recht spannend und interessant. Immer wieder erfährt der Leser auch Geheimnisse aus der Vergangenheit, die Einiges aus der Gegenwart deutlicher machen. Wirklich nachvollziehbar war die Story für mich jedoch nicht.

Was ein absoluter Genuss bei dem Buch ist, ist eindeutig die Sprache. Diese ruhige und unglaublich einfühlsame Art zu schreiben, dazu die emotionalen Aspekte – einfach unglaublich! Die Autorin spielte immer wieder mit den Sätzen, sodass sich sehr tiefgründige Passagen recht schnell mit fast vulgären Ausdrücken abwechselten. Es passte aber wieder wunderbar zusammen und vor allem zu den Situationen und Charakteren. Der Schreibstil war immer sehr gut an die Gefühlswelt der Protagonisten angepasst, sodass der Leser sich direkt ähnlich fühlte wie Todd oder Jodi. Und das hat die Autorin tatsächlich geschafft, obwohl mir die Personen nicht richtig zusagten. Sprachlich und stilistisch ist das Buch also absolut im Bereich der anspruchsvollen Literatur angesiedelt.

Insgesamt kann ich von dem Schreibstil nur träumen und allein schon deshalb das Buch weiterempfehlen. Die Story ist nicht so ganz meins, aber schlecht ist sie definitiv auch nicht. Ein überraschendes und lesenswertes Buch.