Dienstag, 29. Juli 2014

Rezension: Sylvain Tesson - In den Wäldern Sibiriens


ISBN-13: 978-3813505641
Verlag: Albert Knaus Verlag
Seiten: 272 beim Hardcover
Erstveröffentlichung: 03.03.2014

Ein Mann möchte die pure Natur und die absolute Ruhe erleben. Durch die Faszination zu dem tiefsten und ältesten Süßwassersee der Erde beschließt er genau dort sein Einsamkeitsexperiment durchzuführen. Für sechs Monate flieht er vor der Zivilisation und den Menschen in eine kleine Hütte am Ufer des Baikalsees.

Die Idee nur mit sich selbst und der Natur zu sein, auch noch an einem solchen Ort, fand ich faszinierend. Wie geht ein Abenteurer und Menschenfreud mit dem Alleinsein im sibirischen Winter und am Ufer eines wunderschönen Sees um? Spätestens nach der Buchvorstellung des Autors auf der Leipziger Buchmesse 2014 war für mich klar, dass ich das Buch lesen muss. Und es hat sich gelohnt!


Sylvain Tesson hat sich getraut und ist in die Wildnis ausgewandert. Über diese Zeit hat er eine Art Tagebuch geschrieben. Und um genau dieses Tagebuch handelt es sich bei dem Buch. Es ist auch genauso aufgebaut. Zu jedem Tag gibt es mal mehr mal weniger zu erzählen, aber Täglich teilt der Autor seine Gedanken mit dem Leser. Die Passagen sind auch recht unterschiedlich. Der Leser bekommt so einen sehr genauen Eindruck von der Gefühlswelt des Autors zu dem Zeitpunkt. Es gibt schon fast überdrehte Tage, genauso wie detailtreue Naturbeschreibung, rührende Worte und jede Menge Humor. Dieser ist teils schon fast zynisch, was vor allem in den beschriebenen Raucher- und Wodkaszenen deutlich wird.
Der Schreibstil ist durchweg recht nachdenklich, an einigen Stellen gar philosophisch. Aber es ist ja auch kein Buch zum Weglesen, sondern zum Nachdenken und abtauchen in den wunderschönen Wäldern Sibiriens. Die Darstellungen der Natur und der Umgebung sind traumhaft, man hat direkt die Bilder vom inneren Auge und riecht förmlich die frische Bergluft.
Der Autor beschreibt seine Erlebnisse ohne etwa zu beschönigen oder überheblich zu wirken. Es ist kein Findungsbuch oder eine Moralpredigt, sondern tatsächlich das einfache Leben in der Einsamkeit.

Insgesamt hat mich das Buch wirklich gefesselt und zum Grübeln gebracht. Ich fand es sehr interessant zu erfahren, wie ein weltbummelnder Franzose mit sibirischen Einsiedlern und der Natur zurechtkommt. Natur-, Russland- und Biographieliebhabern kann ich es wirklich ans Herz leben. Allen anderen: versucht es einfach mit dem Buch, es lohnt sich! Nicht nur für den Autor, auch für den Leser ist es eine bleibende Erfahrung.